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eine kurze Leseprobe von "Deinen Kopf, Holofernes" (Kammeroper, UA 1989)
(ISBN Edition Moeck Nr. 5357)

DEINEN KOPF, HOLOFERNES
{Nr. 1}
{Bühne: stilisierter Tempelinnenraum}

Judith I:

Bin im Tempel ...
- bin - im - Tempel ...
Seit diesem abgeschlagnen Kopf
Angestaunt

Daß ich Hoffnung hatte
Und vielleicht auch Kraft
Euch kümmert es nicht
Wer ich wirklich bin
Was ich war
Und
Fühle
Nicht kümmert Euch
Was ich erlitt

Denn ich machte keinen
Versuch mehr
Mit den Menschen
Weil ihr mich nicht ließet
Seid billig
zu einer Heldin gekommen

Fern
In einem Tempel
Voll grausamer Bewundrung

Voll Ablehnung
Meines weiblichen Irrgangs
Meines Wahnsinns
Der nützlich wurde
Für einen Moment
Um zu erstarren ...
Und wie man Diamanten
Verschließt
Verriegelt
An geheimem Ort
Ward ich zur Instanz gemacht
Für den Zwiespalt der Frau
Ihr Irrsein
Das Ihr nützt

Eure Strafe für mich
Das verdeckte Gesicht
Denn soweit sind wir nicht
Daß eine Frau sich verselbständigt
Im Mark des Mannes
Aus seiner Rippe tritt
Und ihn
Zertritt in sein Nichts ...
Ins Gefängnis dafür
Das ging nicht
Ihr straftet mich
Anders
Und mein Name
Ward zum Spiegel
Eines Zerrbilds

Ich kann nicht sagen
Von mir :
Ich habe gelebt ...
Hab gegrübelt all die Zeit
Und mir die Lust
Zerweint
Das Bedrängnis
Hab's mir ausgeschwitzt an Euch ...

Ich kann Euch nicht bitten
Meine Klage erreicht Euch nicht
Zu spät ist's zu sagen
Laßt mich raus

{Das Licht erlischt langsam. Die Bühne ist vollkommen dunkel. Auch die Pultlampen der Musiker sind erloschen. Kurze Pause im Dunkeln, danach leuchtet die Pultlampe des Klaviers langsam wieder auf. Beginn von Nr. 2.}




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